Wir feiern alle, die gern ein bisschen radikal werden. Verdammt, jedes Jahr verkleiden wir uns, ballern mit billigem Bier und Benzin im Blut auf unseren Bikes eine Dirt Road hinunter und schmeißen danach eine Party, um zu feiern, dass niemand verletzt wurde. Aber hey, so sind wir. Was unser Blut aber wirklich in Wallung bringt, ist, wenn andere, die da draußen ihre wilden Biester zähmen, im The Temple vorbeischauen und uns ihre tiefgründigen Geschichten erzählen.
So haben wir Peter und Helena kennengelernt: zwei Kunststudenten, die mit nicht mehr als ihren Taschen und einer Tätowiermaschine in der Hand in Jogja landeten, einem ziemlich kunstverliebten Teil von Bali. Dann beschlossen sie, sich zwei Vintage-Bikes zuzulegen, eine Honda CB125 und eine Honda GL Deluxe. Ich glaube, sie haben für beide zusammen unter 500,00 US-Dollar bezahlt (erstaunlich, was man in diesen Teilen der Welt unter einem Baum finden kann). Da die Bikes reisetauglich waren, tankten sie voll und zogen los.
Sie fanden sich plötzlich mit ein paar Vespa-Enthusiasten auf Reisen wieder und tuckerten meist als Gruppe die viel befahrenen Straßen entlang, schliefen am Straßenrand und wachten am nächsten Tag auf, um direkt wieder loszuziehen. Wenn ihr das Glück hattet, den Trupp zu sehen, hättet ihr vielleicht gedacht, sie seien eine reisende Performance-Art-Crew, die The Who’s Quadrophenia aufführt, wenn sie in die Städte einrollen und ihre Shows gegen Nasi Campur anpreisen (damit wären wir auch fein gewesen), aber das waren sie nicht. Als sie die Fähre nach Bali erreichten, trennten sie sich von den Scooter-Jungs, gaben ihre Pork Pie Hats zurück, sagten Adios und schlugen die nächste Seite ihres Abenteuers auf. Also bauten sie logischerweise auf besagter Fähre ein provisorisches Tattoostudio auf und stachen jedem Tinte, der Lust darauf hatte. Klingt für uns sinnvoll. Als ihr letzter Freiwilliger zufrieden war (weil Fähren ja immer butterweich übersetzen), machten sich die beiden auf die Suche nach den Minen von König Salomon, na ja, nach Deus, aber egal: Sie haben es geschafft und uns alles erzählt. Glück für sie, dass sie an einem Dienstag ankamen, und ihr wisst, was das hier bedeutet: Willkommen in Mariritardville. Genau, es war Taco-n-Tattusday. Und wieder fanden die zwei auf Achse einen Haufen Bike-Enthusiasten, mit denen sie abhängen konnten. Wir tauschten Geschichten, Tinte und ein paar Ersatzteile aus und schickten sie weiter auf ihren Weg, um sie nie wieder zu sehen…
(Sie sind immer noch unterwegs und halten uns auf dem Laufenden, keine Sorge, sie liegen nicht irgendwo tot im Graben)














