DEUS KUMPUL KUMPUL RIDE

Nach einer verdammt langen Pause konnten wir den Deus Sunday Ride endlich wiederbeleben. Neu aufgelegt und unter dem frischen Namen Deus „Kumpul-kumpul“ unterwegs – was auf Bahasa Indonesia wörtlich „Get Together“ bedeutet.

Für den ersten Ausflug wollten wir es überschaubar halten und luden eine ausgewählte Runde aus anderen Garagen und Riding Groups rund um Bali ein, sich uns anzuschließen. Eleven Garage, Bckyrd Garage, RSM Garage, Afternoon Cruisin, Excel Turbin und G6K. Dreißig von ihnen und zusammen mit den Temple Rats waren wir glatte vierzig.

Treffpunkt war um acht am Temple, auch wenn bis nach neun noch einzelne Leute eintrudelten. Es gab das übliche Kennenlernen und Begrüßen, dazu einen Blick auf die Bikes, bevor uns die Hitze des Tages sagte: aufsitzen. Vorher noch ein paar organisatorische Dinge: alle wissen lassen, was wir vorhatten und wohin es gehen sollte. Zweifellos würde sich die Gruppe unterwegs auseinanderziehen.

Eine Stunde bis zum ersten Pitstop: die Reisterrassen von Tegelalang. Irgendwie bekamen wir alle rein und wieder raus, sogar pünktlich, und fuhren am oberen Rand von Denpasar entlang, unterhalb von Ubud vorbei, bevor wir links abbogen und in die Hügel eintauchten.

Wie zu erwarten war, hatten wir uns in drei Trupps aufgeteilt, die überraschenderweise nur wenige Minuten nacheinander ankamen.

Geparkt, geplaudert – und voller Vorfreude warteten wir auf den Van und seine Fracht: einen Vorrat an eisgekühlten Deus Coffee Lattes. Der Gedanke blieb hängen: Vor der Pandemie hätte man das so nicht machen können. Damals wäre die Straße Stoßstange an Stoßstange voll mit Reisebussen gewesen, dazu Touristenmassen, die hin und her strömen, bedrängt von Schleppern, die sich die Nachzügler herauspicken und sie in Shops und Bars locken. Heute war der Ort fast leer, abgesehen von uns. Läden und Restaurants vernagelt. Im Winterschlaf. Verlassen.

Wir tranken, saßen wieder auf und zogen weiter. Kintamani im Blick, weitere vierzig Minuten bergauf. Die Steigung machte ein paar der älteren Bikes zu schaffen, und sie blieben unterwegs zurück, brauchten einen zusätzlichen Stopp oder zwei, um es bis zum Kraterrand zu schaffen. Dort empfing uns ein wunderschöner, klarer Tag. Im Hintergrund der Blick auf den Mt Batur, der mitten in der Schale eines uralten Vulkans liegt. Die Luft frisch und knisternd. Das gemäßigte Klima lag ein paar hundert Höhenmeter hinter uns.

Der Zusammenhalt in der Gruppe hatte eingesetzt, die Leute mischten sich und kamen ins Gespräch. Andere Gruppen fuhren vorbei. Einmal Road Bikes. Dann alte Vespas. Wir waren nicht die Einzigen, die diesen Tag nutzten.

Die letzte Etappe der Hinfahrt – in weiteren vierzig Minuten würden wir da sein. Die ersten zehn Minuten führten uns ostwärts um den Rand des erloschenen Vulkans, bis eine Abzweigung nach rechts uns nach Süden und zurück hinunter Richtung Gianya stürzen ließ. Gemüsegärten und kleine Dörfer säumten die einspurige Straße, die sich als Hauptverkehrsader ausgab. Mit all unserem aufgebauten Schwung und Enthusiasmus rauschten wir vorbei, immer tiefer hinein in dieses wunderbar verschwommene Grün. Was als eine Maschine nach der anderen begonnen hatte, schaffte es trotzdem, sich wieder in drei Gruppen aufzuspalten. Abgesehen von drei Nachzüglern waren wir fast Punkt eins alle dort.

Seitlich abseits und unter dem Blätterdach verborgen lag ein kleiner Warung am Fuß der Betonbrücke, die sich über dieses atemberaubende Tal spannt. Das war unser Ziel. Wir klapperten alle die zahlreichen steilen, moosbedeckten Stufen hinunter, bis wir an seinem Fuß ankamen. Die Leute verteilten sich auf dem Boden des Dschungels. Am tiefsten Punkt zog sich ein sprudelnder Bach hindurch, der allem ringsum Leben schenkte. Kleidung wurde abgelegt, in Unterwäsche und den verfügbaren Badesachen rutschten die Leute über die großen Steine und glitten ins kühle Wasser, wuschen die Straße und alle letzten Spuren des Morgens ab.

Wir machten uns daran, auf unser Mittagessen zu warten. Der Laden war gebucht und hatte unser Essen zugesagt, allerdings hatten sie mit der Zubereitung auf unsere Ankunft gewartet – und so lag der Nachmittag etwas offen vor uns. Ein Bier oder zwei, während das Essen kocht? Warum nicht. Da fiel uns auf, dass die meisten Garages noch ein kleines Nebengeschäft mit Arak hatten, und beim Planschen im kühlen Wasser tauchten bald kleine Fläschchen auf. Dass sie wirkten, merkte man daran, dass der Vogelgesang hinter dem Gelächter verschwand.

Wir tranken, dann aßen wir und redeten noch eine gute Stunde und mehr. Gelächter hallte die Schlucht hinauf und hinunter. Alles gute Zeichen dafür, dass der Tag gelungen war. Der Nachmittag rückte näher und brachte uns dazu, unsere Sachen zu packen; wir machten uns alle auf den Weg hinauf und hinaus aus diesem verzauberten Abgrund.

Eine letzte Ablenkung, bevor alle nach Hause fuhren: das Slow Race. Wer konnte den Parkplatz mit Erdboden am langsamsten überqueren? Ein Balanceakt auf Bikes. Wir fuhren mehrere Läufe, bis vier im Finale standen. Die Vespa hatte es fast geschafft, bevor der Fuß den Boden berührte und der Preis an die XSR155 ging. Ein unwahrscheinlicher Kandidat, aber ein verdienter Sieg. Wobei, wenn man an den Tag denkt, den wir alle hatten: Wir waren alle Gewinner.

Als alles gesagt und getan war, machten wir uns auf den Heimweg.

Wir können den nächsten kaum erwarten!

Galerie

Dateien: 32